Schlagwort: Stereotyping im Unternehmen

  • Debias yourself – Entgegen dem Bias

    Biases dienen meist zur Normierung von anderen und sind daher oft auch ausschließend. Insbesondere all jenen gegenüber, die dieser Norm nicht entsprechen. Warum Biases für Unternehmen schädlich sind, welche Biases es in Unternehmen gibt und wie man ihnen Herr wird, versuchen wir zu klären.

    Bias zu vermeiden hilft der gesamten Organisation sowie den darin befindlichen Teams weiter.
    Lernen wir, unsere Biases umzudenken, können wir besser auf die Bedürfnisse von marginalisierten Menschen eingehen und diese besser in Unternemen eingliedern.

    The Price of Bias

    Rechtsstreitigkeiten: Seit dem Jahr 2000 haben 99 Prozent der Forbes Top 500 Unternehmen mindestens eine Rechtsstreitigkeit aufgrund von Diskriminierung oder sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ausfechten müssen. Die Summen solcher Rechtstreitigkeiten schlugen sich zum Beispiel bei Coca Cola in Millionenhöhe nieder. 176 Millionen US-Dollar kamen hierbei als Gesamtschaden am Unternehmen bis 2003 aufgrund von Diskriminierung und damit Bias zustande.

    Geschmälerte Talentpools: Wenn sich ein Unternehmen öffentlich zu diskriminierenden Inhalten bekennt oder bei der BewerberInnenauswahl (wenn auch nur unbewusst) und Bewerbungsgesprächen diskriminierend handelt, schmälert sich der Talentpool unnötig ein. Zudem können Teams, die diverser gestaltet sind, von dieser profitieren: so berichten 52% von einer verbesserten Zusammenarbeit in Teams, die divers gestaltet sind.

    Verringerte Verkäufe und verlorene KundInnen: 6 Prozent der Bevölkerung in Europa ordnen sich selbst der LGBTQ+ Community zu, wenn man dazu von durchschnittlichen Konsumausgaben von 2517 Euro pro BürgerIn ausgeht, besitzt die LGBTQ+ Community allein in Deutschland eine jährliche Kaufkraft von etwa 90,3 Milliarden Euro. Von anderen marginalisierten Gruppen ganz zu schweigen.

    Verlorene Zeit: Gerade in der Managementebene geht durch die Mediation in Biasverwandten Konflikten enorm viel Zeit verloren. Zudem arbeiten durch den Stereotype Threat bedrohte MitarbeiterInnen ineffektiver und langsamer. Debiasing kann also hier helfen und verlorene Zeit und Arbeitskraft wieder zurückzuholen.

    Wie nun die eigenen Bias erkennen und bekämpfen?

    Sie können Ihren Biases begegnen, wenn Sie sich Ihrer bewusst werden und sich Wissen zu den einzelnen Thementreibern aneignen, um andere Schlüsse ziehen zu können. So erweitern Sie Ihren Erfahrungsschatz. Ihre Vorbehalte schmelzen sukzessive. Eine Begegnung mit Personen und Gruppen denen gegenüber Sie Vorbehalte haben, beschleunigt den Schmelzprozess. Im Gespräch lernen Sie sich miteinander wohlzufühlen. Die Suche nach Gemeinsamkeit über die Unterschiede hinaus, gibt Sicherheit und schafft Nähe.

    Welche Arten von Bias gibt es und wenn ja wie viele?

    Es gibt hunderte Biases, die täglich auf unsere Gedanken, Emotionen und unser Handeln auswirken (Anchoring, Social Comparison Bias, Outgroup Homogenity Bias etc.) mit denen wir uns allein in diesem Artikel leider nicht auseinandersetzen werden können; deswegen haben wir die für die Thematik Bias am Arbeitsplatz Relevantesten herausgesucht und stellen diese nun kurz vor:

    Unconscious Bias

    Unbewusste Vorurteile und Denkmuster in unseren Köpfen bremsen uns aus. Eingefahrene Kategorieschemen, verhängnisvolle Vorbehalte verhindern Vielfalt. das teuflische an unseren Biases ist ja, dass sie unbewusst wirken. Das Moment der Veränderung ist die eigenen Muster gut zu kennen und so aus den eigenen Filterblasen auszusteigen. Veränderung dazu funktioniert über Handlungsänderung.

    Overt Bias

    Das Overt Bias besteht aus negativen Einstellungen, Attitüden sowie Sprach- und Handlungsweisen, die meist bewusst stattfinden und sich offen gegen eine wahrgenommene Outgroup richten und führen zu einer Bevorzugung von Ingroup Membern über der wahrgenommenen Outgroup. Diese Dualität aus Ingroup und Outgroup gilt es zu hinterfragen und zu dekonstruieren, sodass ein Overt Biasing überhaupt gar nicht erst stattfindet. Diese Ingroup-Outgroup Konstruktionen finden oft an den Linien von (wahrgenommener) Klasse, Geschlecht, Ethnischer Zugehörigkeit, Sexueller Identität und Ausrichtung sowie psychischen und physischen Einschränkungen statt. Sie müssen dahingehend reflektiert und behandelt werden.

    Subtle Bias

    Subtle Bias sind solche Biases, die oft von Personen reproduziert werden, die sich als äußerst Biasfrei und reflektiert betrachten. Da es in unserer Gesellschaft zunehmend als unangebracht wahrgenommen wird, Overt Biases zu besitzen, wandern diese in den Untergrund und drücken sich in mehr oder weniger subtilen Handlungen (Stichwort: Mikroaggression) aus. Dazu gehören Verbale und Nonverbale Verhaltensweisen. So gehören zum Beispiel das Benutzen eines abwertenden bzw. herablassenden Tons in der Stimme zu den Verbalen Subtle Biases. Zu den Nonverbalen Subtle Biases gehören wiederum zum Beispiel das Vermeiden von Augenkontakt, das Halten physischer Distanz oder das Erstarren von Mimik und Gestik sobald eine Person der wahrgenommenen Outgroup in die Interaktion einbezogen wird.

    Groupthink

    Groupthink ist ein von Janis (1972) entwickeltes Konzept, das ein übermäßiges Streben nach Einmündigkeit innerhalb der Gruppe bezeichnet und letztlich ein dysfunktionales Interaktionsmuster in Gruppen darstellt. Dabei wird Harmonie innerhalb der Gruppe als oberstes Ziel angesehen und andere akkurat zu Bewerten zugunsten des Gruppenzusammenhalts hintenan gestellt. Neben einem übersteigerten Gruppenzusammenhalt sind hierbei 2 Andere Faktoren noch wesentlich. Zum einen ein struktureller Fehler in der Organisation, bei dem die Gruppenzusammensetzung von Anfang an schon zu homogen und gleichartig ist und zum Anderen ein provokativer situationaler Kontext (z.B. hoher Zeit-/Arbeitsdruck). Welche Ausmaße der Groupthink annehmen kann, sieht man an Beispielen wie dem 2017 gescheiterten Fyre Festival oder dem 2019 geplanten „Petitionstag“ des Startups Einhorn im Olympiastadion nur zu gut.

    Achte auf deinen Bias wenn Du remote arbeitest

    In einem remote Umfeld ist es leichter, Biases zu entwickeln, da wir weiter vom Menschen in seiner Ganzheit entfernt sind: so fallen hier viele (un)bewusste Mimiken und Gestiken weg, die wir aber für eine eindeutigere Interpretation des Gesagten bräuchten. Wir müssen also diesen Raum, der von uns nicht wahrgenommen wird, geistig mitdenken und Biases, die wir über die Zeit entwickeln, vermeiden. Zudem gibt es ein Location Bias, bei dem Rückschlüsse auf die Persönlichkeit von MitarbeiterInnen aufgrund ihres gewählten Arbeitsumfelds gezogen werden. So ist es zum Beispiel zu vermeiden, dass wenn auf dem Land remote gearbeitet wird, während die meisten Teammitglieder in der Stadt arbeiten, sich keine Ingroup/Outgroup Dynamik entlang dieser Grenze bildet. Die Teammitglieder also dann nicht anfangen abwertende Begriffe wie „Bauer“ oder „Landei“ verwenden.

    Unconscious Bias erkennen, vermeiden und abbauen

    Vorurteile sind in allen Bereichen des Arbeits- und Privatlebens vorzufinden. Globalisierungsbedingt wächst die Diversität in Unternehmen und Umfeld. „Buntheit“ erfordert sogenannten Unconscious Bias zu erkennen, zu reduzieren und damit vielleicht ganz zu vermeiden.

    Anti-BIAS TIPPS

    • Die eigenen „Blinden Flecken“ laufend hinterfragen
    • Analysieren Sie, wie Sie Situationen wahrnehmen
    • Beobachtung Sie sich: Was sehe ich? Was lese oder höre ich? (z.B. eine Bewerberin mit einem Kopfschleier betritt das Büro)
    • Versuchen Sie Ihre Interpretation nachzuverfolgen: Was denke ich? Wie ordne ich zu? (z.B. die Frau ist eine Muslima)
    • Lesen Sie Ihre Bewertungen mit : Was empfinde ich? Welche Emotion löst die Situation bei mir aus? Wie beurteile und entscheide ich? (z.B. die Frau ist selbstbewusst / die Frau passt nicht zu unserem Unternehmen / die Frau tut mir leid / usw.)
    • Handlung: Wie interagiere ich? Wie kommuniziere ich? Was sage ich nicht?
    • Reduzieren Sie Ihre Biases und achten Sie auf Rückfälle.

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    Making Diversity Work: 7 Steps for defeating Bias in the Workplace, Sondra Thiederman

    Unterschiedlichkeit als dynamische Kraft

    Der Anti Bias Ansatz – Katja Gramelt (2010)

    Groupthinking- die Verstärkung durch die Gruppe

    The Cost of Unconscious Bias in the Workplace (trueofficelearning.com)

    Ruggsetal.2018DRAFTCopy.pdf

    The Top Companies Sued Over Discrimination and Harassment in 2020 (businessinsider.com)

    Gruppendenken – Lexikon der Psychologie (spektrum.de)

    Fyre (Film) – Wikipedia

    Now is the time for companies to address – Location Bias (linkedin.com)

    Olympiastadion: Einhorn steht nirgends und doch überall | ZEIT ONLINE

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  • The Voice of Diversity

    Diversität und ihre Chancen

    2004 trat das österreichische Gesetz, die Richtlinie 2000/43/EG  (Antirassismusrichtlinie) und Richtlinie 2000/78/EG (Gleichbehandlungsrahmenrichtlinie) in Kraft. 2006 folgte die gesetzliche Grundlage in Deutschland. Das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) beschreibt das „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen soll.“ und bietet damit erstmals den rechtlichen Rahmen für eine eine Einbettung von Diversity in die Gesellschaft und damit einhergehend die Unternehmenskultur. Gesetzliche Rahmenbedingungen und die Diversity Charters der EU sind Grundlagen, viel wichtiger ist allerdings die tatsächliche selbstverständliche Einbettung von Vielfalt und Chancengleichheit.

    Wie erfolgt die Umsetzung in der Unternehmenspraxis? Und was bringt Diversity überhaupt im Unternehmen?

    Diversity nimmt im Unternehmen einen immer wichtigeren Platz ein.
    Diversität in Unternehmen besitzt in Zeiten der Komplexitätszunahme und Globalisierung zunehmende Wichtigkeit.

    Zur Bedeutung von Diversity

    Es gilt ein Arbeitsumfeld im Unternehmen zu schaffen in dem alle Beschäftigten, die gleiche Wertschätzung und Förderung erfahren. Dazu bedarf es Diversity- Tage, Themenkonferenzen, Studien, Vielfältigkeitswerkstätten, runde Tische und viele andere Formate, die alle das gleiche Ziel haben: erstens angemessene Repräsentation von Unterschiedlichkeit und auch „die Erkenntnis, dass uns Vielfältigkeit grundlegend bereichert.“ Dies zu erkennen und zu sehen, insbesondere im Unternehmenskontext. Rainbow Washing und Pinkwashing hilft zur Sensiblisierung und ist ein guter erster Schritt, braucht aber in der Folge Umsetzungsprojekte, da insbesondere der Konsument damit nicht zufrieden ist. Sich dementsprechend wirklich um das Konzept von Diversity Gedanken zu machen, ist wichtiger Bestandteil von modernen Unternehmen und deren Kultur.

    Diversität und die Verhinderung des Stereotype Threat

    Der Stereotype Threat wurde 2007 von Roberson und Kulik festgehalten und bezeichnet die Angst davor, Stereotypen konfrontiert und aufgrund dieser negativ beurteilt zu werden. Sowie durch das eigene Verhalten, die Stereotypen, die um die eigene Gruppe kreisen, zu bestätigen. Oft führt diese Angst bei Menschen, die von diesem Stereotyping besonders betroffen sind, zu Leistungseinbußen. Insbesondere bei leistungsmotivierten MitarbeiterInnen aus marginalisierten Gruppen, die schwierige Aufgaben zu erfüllen haben.

    Die Umgehung dieses Stereotype Threat legt also Nahe, das Unternehmen so zu gestalten, dass der Eindruck eines Stereotyping überhaupt gar nicht erst entsteht. Dass das Unternehmen dementsprechend divers gestaltet sein sollte. Zudem geht es bei den betriebswirtschaftlichen Konzepten von Diversity vor allem um Nutzung verschiedener Perspektiven als eine Ressource. Eine, die in Geschäftsabläufe sinnvoll integriert, zusätzlich Performance verbessern kann.

    Zahlen und Fakten: Studien zum Thema Diversity, Performance und Profitability

    Eine Studie mit dem Namen „Diversity Wins„, die vom US-Unternehmen McKinsey durchgeführt wurde, fand heraus, dass die Unterschiede zwischen Unternehmen, die sich um Diversität kümmern und solchen, die das nicht tun, zunehmend wachsen: So performten im Jahr 2014 die Unternehmen, die sich um Geschlechterdiversität kümmern 15 Prozent besser, im Jahr 2020 performten die Unternehmen, die sich überdurchschnittlich um Geschlechterdiversität kümmern um 25 Prozent besser. Das bedeutet, dass der Gap zwischen Unternehmen mit und ohne Geschlechterdiversität auch weiterhin wächst. Mit zunehmender Komplexität wird es in Zukunft in den Unternehmen immer wichtiger Diversität zu leben. Ein ähnliches Bild zeigte sich übrigens beim Faktor „Ethnicity“, bei dem ein 35prozentiger Unterschied in der Performance festgestellt werden konnte.

    Eine weitere Studie der PageGroup kam zu dem Ergebnis, dass vor allem Teams effektiver arbeiteten, wenn sie gemischt bzw. divers waren. So geben dort Befragte mehrheitlich an, von einer besseren Zusammenarbeit in Teams (52 Prozent),einer gesteigerten Mitarbeiterbindung (50 Prozent) und einer höheren Innovationskraft (27 Prozent) zu profitieren. Diversity verbessert Teamsituationen und die Zusammenarbeit also wesentlich.

    Die eigenen Privilegien reflektieren

    „Check your Privilege!“ lautet ein US-Amerikanischer Ausdruck für das Reflektieren der eigenen Privilegien gemäß dem Intersektionalitätskonzept. Dieses Konzept besagt, dass eine Person je nach eigener individueller Ausprägungen von klassenspezifischer, ethnischer und geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sein kann, also von verschiedenen Diskriminierungsarten und -formen. Die eigenen Privilegien in diesen 3 Dimensionen zu erkennen und welche Zusammenhänge zwischen ihnen bestehen ist hierbei enorm wichtig. So sind zum Beispiel Managementpositionen oft eher weiß, männlich und aus der (oberen) Mittelschicht besetzt. Sich selbst also auch hinterfragen zu können, ist für diverse Unternehmen von Bedeutung.

    Diversity im Unternehmen verankern

    Um Diversity personell und persönlich umsetzen und leben zu können, gilt es vor allem, Offen für Beziehung zu sein: Zuhören, mit Respekt entgegenzutreten, dem Gegenüber zu vermitteln dass man ihm vertraut (auch um dem Stereotype Threat entgegenzuwirken), einen Perspektivwechsel einzunehmen und so gut wie möglich zu versuchen, die Position der Person nachzuvollziehen. Tabuthemen und blinde Flecken der Organisation können hinterfragt werden. Stereotyping wird entlarvt.

    Erst dann kann die Unternehmenspraxis wirklich inklusiv werden und sich dem Diversitätskonzept nicht nur nähern, sondern es auch wirklich umsetzen. Hierzu bieten sich Methoden wie Sounding Board, die bei Veränderungen aktiv Meinungen von Betroffenen einholt, Vertrauen ist gut, um dem Stereotype Threat entgegenzuwirken, der Zukunftssalon, bei dem es darum geht, miteinander, statt aneinander vorbei zu reden, sowie Agil als Führungskraft, um Selbstreflektionsprozesse, vor allem für eigene Privilegien, anzuregen.

    Roberson L, Kulik CT (2007) Stereotype threat at work. AoM Perspekt

    Rainbow Washing Is A Thing, Here’s Why It Needs To Stop | Urban List (theurbanlist.com)

    Diversity wins: How inclusion matters (mckinsey.com)

    Intersektionalität (uni-bielefeld.de)

    “It’s a Man Who Runs the Show”: How Women Middle-Managers Experience Their Professional Position, Opportunities, and Barriers – Unnur D. Einarsdottir, Thora H. Christiansen, Erla S. Kristjansdottir, 2018 (sagepub.com)

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